Alex Schulz hatte dort einen Longline-Spot ausgekundschaftet an dem verschiedene Möglichkeiten für eine Longline 300+ gegeben waren.
Die Bauern wurden vorab von Alex gefragt und hatten grünes Licht gegeben.
Der Laser-Entfernungsmesser zeigt 334m bis zum anvisierten Ziel.
Auf der Fixpunktseite benutzen wir die Schlinge einer bereits gespannten 60m Line um die Schlinge in einer Höhe von 3,80m zu befestigen. Auf der Spannseite setzen wir bei 3,60m an, vielen Dank an Michi für die wilde Baumkletterei und das positionieren des Baumschutzes und der Schlingen.
Zwischen Flaschenzug und Einspanner installieren wir die Messlasche des AFC und überwachen damit die Vorspannung. Als Flaschenzugsystem wird die klassische 9:1 Base mit 4 SMC 3" PMP Rollen, erweitert durch 2 Rock-Exotica P21-D verwendet, um die Last auf der Bremse (Petzl RIG) so gering wie möglich zu halten. Potenziert durch eine SMC 3 Einfachrolle geht der Spannvorgang erstaunlich leicht von der Hand.
Der AFC zeigt 2,3t an, beim Durchhangtest ist genug Luft es kann losgehen.
Von der mitgebrachten Stafflei aus brauche ich noch eine zusätzliche Schlinge um mich zur Line hochziehen zu können. Meine ersten Versuche verlaufen erfolglos. Kämpfen ist in einer Höhe von 3,60m schwierig, man muss aus jeder Position catchen können. Es fühlt sich fast an wie eine Highline .
Alex ist an der Reihe: "Einfach mal aufstehen und schauen was passiert." ist seine nüchterne Ansage. Gesagt, getan was passiert ist eine Überraschung für jeden Einzelnen von uns. Er läuft das Ding onsight. Unglaublich stark!
Dafür braucht es mehr als nur gute Longline-Skills. Mentale Stärke an den Rändern und Durchhaltevermögen über mehr als 20 Minuten Gehzeit. Ganz zu schweigen von den zwei Bächen die nach einem Drittel und der Hälfte der Distanz die Line queren.
Hannes ist als nächster dran. "Mitten in den scheiß Bach!" schreit er, als er bei seinem besten Versuch nach etwas über 100m die Kontrolle verliert und abschmiert.
Alex geht das Biest im dritten Go zurück und holt sich den Fullman. Was für einen Leistung, wenn man bedenkt, dass er vor einem Jahr zum ersten Mal auf einer Longline stand.

Für Fabian Rupprecht und mich enden die besten Versuche nach nichtmal 30m immer mit Catches. "Scheitern gehört dazu und ist wichtig", denke ich mir als wir am Abend abbauen. Aber so leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Wir verabreden uns am nächsten Tag um der Line noch einen Versuch zu geben.
2. Tag
Die Fixpunkte werden am 2. Tag etwas niedriger angesetzt, 3,40m und 2,80m. Dementsprechend erhöhen wir die Vorspannung auf 2,4t.
Nach einigen Catches komme ich zum ersten Mal über den harten Rand hinaus und sehe Licht am Ende des Tunnels. Leider hat die Vorspannung etwas nachgelassen, so dass ich in der Mitte auf einem kleinen Erdhaufen aufgehe . Verdammt! Aber es ist möglich.
Wir spannen nach und erhöhen die Vorspannung auf 2,6t.
Die Sonne brennt erbarmungslos und auch der Wind hat aufgefrischt. "Der Wind stabilisiert", schwirrt es mir durch den Kopf, "links, rechts", sage ich mir gebetsmühlenartig vor.
Es ist ein Kampf, die Mitte ist noch am dankbarsten, die Bäche einfach weitergehen. Wenige Meter vor dem Ende muss ich catchen, man kann sich streiten ob es als "send" - sprich erfolgreiche Begehung - zählt. Alex, Hannes und Anatolij, die an diesem Tag dabei sind gratulieren und sehen das klar als "send". Manchmal geht die Sicherheit einfach vor, wer fällt schon gern barfuß aus 3,60m Höhe unkontrolliert von der Line.
Anatolij läuft das Ding ebenfalls onsight, muss sich aber leider auf dem Rückweg geschlagen geben.
Für Hannes ist leider auch an diesem Tag knapp vor der Hälfte Schluss, unzählige gute Versuche kosten ihn zuviel Kraft um das Ding endgültig laufen zu können.
Mein Rückweg beschränkt sich leider auf die mittleren 150m. Die hohen Ränder sind für mich mental nicht mehr zu bewältigen, weshalb ich etwa 75m vom Rand entfernt aufsteige und ungefähr genauso weit vom Ende entfernt aufgeben muss.
Was bleibt nach so einem Riesen-Projekt? Die Erkenntnis, dass die jungen Wilden (die COWBOYS) uns mittlerweile zeigen wo der Hammer hängt! Einmal mehr wird mir klar, dass nichts in diesem Sport unmöglich ist und wir noch lange nicht an der Grenze des Möglichen angelangt sind.
Und noch nie wurde die mentale Komponente einer Longline so deutlich. An den hohen Rändern einen kühlen Kopf zu bewahren verlangte mir am allermeisten ab.
Vielen Dank an Landcruising für die Leihgabe, die Unterstützung, das Know-How und die gute Zusammenarbeit!
Danke Michi, für die Unterstützung beim Aufbau, Alex für den Spot und die Inspiration, Hannes für den AFC und die guten Vibes, Bernd für's Filmen und Vid schneiden und an alle anderen, die dabei waren und dieses Projekt damit zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.
Dim lights Embed Embed this video on your siteLine Beta:
webbing: Landcruising Aeon
tensioning system: 9:1 Base + Rock Exotica including AFC
Brake: Petzl RIG
lenght: 333m (measured with tape and laser)
sag (70kg slackliner): 2,85m (1st day), 2,40m (2nd day)
load (within the sends): 2,2t (1st day), 2,55t (2nd day)

